ARTIKEL

1. Wollen, was Gott will?
2. Aushalten - Durchhalten
3. Wenn Jesus nie gelebt hätte...
4. Die »Truman-Show« in der Kirche – Publikum und Veranstalter zufrieden
5. Satire: Die totale TV-Idiotie
6. Satire: Die Ermäßigung sei mit Dir!
 
 
Wollen, was Gott will?

Nö, warum denn? Wie ein bockiges Kind, das mit dem Fuß aufstampft, wand- te ich mich innerlich ab, wollte nicht mehr beten, nicht mehr Bibel lesen, nicht mehr "müssen" - wozu denn auch?
Leistungsbezogen und mit analytischem Denkansatz aufgewachsen hatte ich dies automatisch auf meinen Glauben übertragen, doch es blieben viele Zweifel und offene Fragen. Aber diese zu stellen wagte ich nicht - allen anderen reichten die Antworten offenbar aus.
Anfangs war es mir ein wirkliches Bedürfnis von meinem Glauben zu erzählen, ich wollte Menschen gewinnen, wollte ein ganz besonders guter Christ sein und gab mir gewaltige Mühe damit.
Mit der Zeit schwand diese Begeisterung und wurde ersetzt durch ein notvoIles "Sollen", denn als guter Christ muss ich doch lieben, muss ich evangelisieren, muss ich mich an die Spielregeln halten, sonst, so war es bei mir an~ gekommen, sonst ist Gott nicht zufrieden mit mir. Ich hatte hart gearbeitet,
um seine Liebe zu gewinnen, und wurde müde, mir seine Zuneigung immer nur verdienen zu müssen. Immer noch dazu den Eindruck zu haben: "Egal, wie sehr du dich anstrengst, egal. was du auch tust, du genügst nicht!" Wie
sollte ich jemanden lieben, der so viel von mir verlangt? Und warum sollte ich dann auch noch andere einladen, in dieses "Leistenmüssen" mit einzusteigen? Diese Fragen addierten sich nun zu den anderen unausgesprochenen hinzu, und ich hielt sie weiterhin tief unter der Oberfläche versteckt. Ich war der festen Meinung, ich hätte mich und meinen Glauben perfekt unter Kontrolle. Nach außen hin mag eine fromme Fassade auch sehr überzeugend
aussehen, nach innen hat sie aber einen ausgesprochen selbst-zerstörenden Effekt. Indem ich alles, was ich an mir "schlecht" und "schmutzig" fand, sorgfältig verbarg, konnte ich auch das "Schöne", "Fröhliche" nicht mehr erreichen, und es begann eine Zeit, in der ich nicht mehr wusste, was ich fühlte oder wollte. In mir und besonders Gott gegenüber war nur Leere und Kälte. Was ist, wenn ich das, was ich soll, nicht wollen kann? Irgendwann war ich endlich soweit, genau das auch zuzugeben. Endlich ehrlich zu werden vor Gott, ihm alles hinzulegen: die Zweifel, das Dunkle, die Sünde, die ich so lange versteckt hielt, meinen Mangel an Liebe und an Ver- trauen. Kapitulation, egal wie groß die Angst davor auch war. Still zu werden vor ihm und auszuhalten, dass es nun für mich nichts weiter zu tun gab. Zu- zulassen, dass er an der Reihe war. Und Jesus begann meine Füße zu waschen, behutsam und liebevoll, selbst dort, wo der Dreck uralt und verkrustet war. Er begegnete meinen Zweifeln und antwortete mir auf meine Fragen, gab mir die Zeit, die ich benötigte, um meinerseits zu antworten. Er sandte mir Menschen, in denen ich seine Liebe verkörpert sehen konnte, Liebe, die keine Bedingungen stellt, die keine Leistung einfordert, sondern der Authentizität, des Echtseins und Wahrhaftigseins bedarf. Er sprach zu mir durch Bilder, Lieder und Träume, auf so ganz anderer Ebene als auf meinem logischen Denken. Nach und nach füllte er meine innere Leere mit Wärme und neuen Empfindungen und die Liebe begann zu wachsen.
Wie sollte ich ihn auch nicht lieben? Und wie sollte ich nicht wünschen, dass jeder andere auch diese wunderbare Erfahrung macht?
Christsein aus eigener Kraft heraus ist eine einzige große Enttäuschung.

"Wir dürfen zu Gott in jedem Zustand kommen und uns ihm hinhalten wie wir sind. Wir bitten um Vergebung für den Unwillen und laden den heiligen Geist ein, unsere Gefühle, unsere Wünsche, unsere Widerstände und unsere Ängste zu berühren und zu heilen Und warten dann auf sein Handeln an uns. Mehr als das können wir nicht. Aber auf diese Weise bewegt sich etwas in uns. Zumindest ein kleiner Schritt, von echter Liebe motiviert, wird möglich. Gott zeigt uns genau den kleinen Schritt, den zu tun wir dann auch wollen können."
(aus: Gott macht das Schwache stark; Hanne Baar, Hymnus-Verlag)

Birgit Lubig
(aus: Gemeindebrief der EmK-Gemeinde Berlin-Lankwitz, März 2002)



Aushalten - Durchhalten

Die Älteren von uns haben in der Schule noch die antike Weisheit „Über rauhe Pfade zu den Sternen lernen müssen. Aber spätestens nach den Durchhalteparolen am Ende des Dritten Reichs hatte der so Geforderte für solche Motivationen kein Verständnis mehr. Und die ersten Nachkriegsjahre haben jeden perönlich zum Durchhalten gefordert, auch ohne öffentliche Aufrufe.

„Mit Geduld und Spucke fängt man eine Mucke heißt es scherzhaft, aber kann man damit jemandem ernsthaft Trost spenden, dessen Leben in großer Bedröngnis ist? So, wie es Hiob durchstehen mußte, der uns ja das große biblische Vorbild ist für einen Menschen, der trotz seiner körperlichen und seelischen Nöte durchgehalten hat.

Viele Leidende und Kranke hat das Buch Hiob in ihrer Not angesprochen, weil Hiobs Not nicht der erdrückende Beweis eines göttlichen Urteils ist, sondern vielmehr den Beweis göttlichen Vertrauens in ihn zeigt. Hiobs Sehnsucht nach Rettung, die in seiner Verzweiflung zutage tritt, ist aber erst für uns durch das Kommen Christi erfüllt.

Wenn wir die Geschichten über Joseph im Alten Testament lesen, sehen wir einen anderen Menschen, der von Gott durch tiefste Erniedrigung geführt wird. (Verachtung durch seine Brüder, Leben in der Sklaverei, Verleumdung, Gefängnis), bis er, durch diese Prüfungen zubereitet, ganz nach oben kommt (Pharao: „Der ist des Landes Vater!) Trotz der bösen Erfahrung hielt Joseph an seinem Gott fest.

Und auch Mose setzt sein Vertrauen auf Gott und den göttlichen Auftrag um; er führt sein Volk ins verheißene Land. Was der sich in 40 Jahren Wüstenwanderung von seinem Volk anhören muß... Wir hätten die Brocken sicher schon längst hingeworfen.

„Jede Genaration hat ihre Vorbilder, lese ich heute als Werbung einer Wirtschaftszeitschrift an einer Plakatwand. Das würde ja bedeuten, daß die oben genannten Personen für uns, zumindest für unsere jüngere Generation, nicht mehr „in sind. Für unsere Jugend ist die Zeit ihrer großen Idole zu Ende, sagen Jugendforscher und unterstreichen gleichzeitig: Sie brauchen aber Vorbilder, die ihnen Orientierung geben; aber Vorbilder wie Mutter Theresa oder Albert Schweitzer sind nicht mehr gefragt.

So hat auch Friedrich von Bodelschwingh (1831 - 1910) jungen Menschen nichts mehr über das Durchhalten zu sagen? Der Mann, der nach seinem Ruf in die Nachfolge Christi als Missionar nach Afrika will, aber in Paris landet, wo er deutschen Auswanderern in den Slums dient. Wegen der Krankheit seiner Frau kehrt er nach Deutschland zurück. Hier sterben ihnen ihre vier Kinder innerhalb von 12 Tagen an Diphterie. „Da merkte ich erst, wie hart Gott gegen Menschen sein kann. Und darüber bin ich barmherzig geworden gegen andere, bekennt er und nimmt dann das Angebot an, bei Bielefeld ein Heim für Epileptiker zu leiten. Daraus ensteht „Bethel, ein Zentrum für Behinderte, eine Stadt der Diakonie. Bis zu seinem Tod kämpft er für die Ausgestoßenen dieser Welt (Leprakranke, Nichtseßhafte, Alkoholiker) und gibt ihnen Heimat.

Eher wird bei der jungen Generation Martin Luther King (1929 - 1968) Vorbild sein können, weil sein Traum („I have a dream) noch in unseren Ohren klingt. Im Geiste Jesu will der Baptistenpastor aus Atlanta ohne Gewalt und durch passiven Widerstand die Rassenschranken in den USA zu Fall bringen. Sein Wille zum Durchhalten und die tödlichen Schüsse auf ihn machen ihn zum Märtyrer.

Ein anderer, der wegen seines Märtyrertums nicht vergessen wird, ist Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945). Er hat es sich nicht leicht gemacht, hätte im Ausland bleiben können, als er dort tätig war und wußte, was ihm in Deutschland bevorstand. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler schreibt er: „Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen - sei es einen Heiligen oder einen bekehrten Sünder oder einen Kirchenmann (eine sogennante priesterliche Gestalt!), einen Gerechten oder Ungerechten, einen Kranken oder einen Gesunden - und dies nenne ich Diesseitigkeit, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Mißerfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeit leben - dann wirft man sich Gott ganz in die Arme, dann nimmt man nicht mehr die eigenen Leiden, sondern die Leiden Gottes in der Welt ernst, dann wacht man mit Christus in Gethsemane, und ich denke, das ist Glaube (...); und so wird man ein Mensch, ein Christ.

Haben Sie es in den kurzen Biographien bemerkt? Aushalten und Durchhalten haben immer etwas mit Geduld zu tun. Deshalb habe ich auch den eigentlich wenig ernsthaften Spruch „Mit Geduld und... stehenlassen: In dem Wort „Geduld steckt das Verb „dulden, das wiederum verwandt ist mit „tolerieren (= ertragen).

Paulus, der nicht nur durch sein gesundheitliches Handicap ein vorbildlicher Dulder war, möchte uns in unseren Anfechtungen stärken: „...sondern wir rühmen uns auch in den Bedrägnissen, da wir wissen, daß die Bedrägnis Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; die Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist. (Römer 5, 3-5, Elberfelder)

D.R.
(aus: Gemeindebrief der Kreuzkirche EmK - Berlin / Lankwitz - Mai 2000)
 

Wenn Jesus nie gelebt hätte...

„Die Weltgeschichte wäre völlig anders verlaufen, sagt die Religionswissen- schaftlerin Dr. Melanie Köhlmoos, Universität Hamburg.
Beispiele: Ohne Jesus keine Christen, keine Kirche, kein Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation, keine deutschen Kaiser, keine Päpste. Somit auch keine Reformation; Martin Luther hätte keinen Grund gehabt, die Bibel zu übersetzen und dabei die deutsche Sprache neu zu ordnen.
Siegfried Wittwer, Leiter des Internationalen Bibelstudien-Instituts in Darmstadt:: „Ohne Jesus gäbe es keine moralischen Prinzipien, keinen arbeitsfreien Sonntag, keine CDU. Musik, Dichtung und Malerei hätten eine andere Richtung genommen. Kein „Ave Maria, keine Sixtinische Kapelle, kein Kölner Dom mit seinen Schätzen existierten.
Unsere gesamte Kultur ist letztlich auf das Wirken des charismatischen Wanderpredigers und Wunderheilers, „Jeshua aus Nazareth, vor 2000 Jahren in Palästina zurückzuführen.
Dr. Köhlmoos: „99% der europäischen Literatur und Kunst, so wie wir sie kennen, hätten schlicht nicht stattgefunden.
Die lateinische Schrift, mit der die Bibel und alle sonstigen Texte jahrhundertelang von schreibkundigen Priestern und Mönchen in Kirchen und Klöstern bewahrt und verbreitet wurden, hätte sich nicht durchgesetzt. Unsere Sprache wäre nie entstanden, Englisch nicht Weltsprache geworden. Was, wenn nicht Jesu Tugenden wie Demut, Nächstenliebe und Aufopferung erstrebenswert geworden wären? „Ein deutsches Grundgesetz und eine Menschenrechts-Charta wären in ihrer heutigen Form nicht zu Stande gekommen, sagt Forscherin Köhlmoos. „Denn wie auch die französische Revolution fußt alles auf christlichen Werten.
„Ein Europäisches Parlament, der Euro – auch all dies undenkbar, sagt Siegfried Wittwer. „Ohne Jesus stände die Einheit der abendländischen Staaten noch in weiter Ferne. Der gemeinsame Glaube war trotz aller Kriege die wichtigste Klammer für die Völker.
Die Welt ohne Jesus – auch außerhalb Europas hätte sie sich ganz anders entwickelt. So ist das gesamte Phänomen Amerika ohne christliche Kirche nicht zu erklären. Der politische und wirtschaftliche Führungsanspruch der USA gründet sich auf die Aussage: „Wenn ein Volk Gott gehorsam ist, wird es von ihm gesegnet, deshalb reich und wohlhabend, zum ‚Kopf der Völker.
Tatsächlich: die US-Bürger beriefen sich bei allem auf den christlichen Gott  und wurden Weltmacht. „Ohne Jesus wäre Amerika heute unbedeutend, so die Wissenschaftler. Vermutlich wäre Kolumbus gar nicht nach dorthin aufgebrochen.
Auch die islamische Welt hätte sich anders entwickelt. Denn Mohammed stiftete im 6. und 7. jahrhundert (nach Jesus) vor allem deshalb eine neue Religion, weil er mit eineigen zentralen Thesen der Christen nicht einverstanden war, sie kritisierte – und der Koran entstand.
Wäre Jesus nie ans Kreuz geschlagen worden: „Statt Ostern würden wir ein großes Frühlingsfest feiern, sagen Soziologen. „Alte germanische Kulte und längst verdrängte Naturreligionen bestimmten unser Leben dann noch weit stärker, als sie es bis heute tun. Vor Jesu Geburt wurde bei uns, statt Weihnachten zu feiern, die Wintersonnenwende gefeiert, im Karneval wurden lärmend die Kältegeister vertrieben.
Wenn Jesus nie gelebt hätte... „Virtuelle Geschichte heißt dieser neue Zweig,
mit dem sich immer mehr Forscher beschäftigen, weil er die großen Zusammenhänge unserer Welt so deutlich macht. Eines ist sicher: im Namen keines anderen Menschen wurde nach dessen Tod soviel Gutes getan und soviel Unheil angerichtet, wie im Namen Jesu, nicht auf sein Geheiß, wohlgemerkt. Kein Mensch hat unsere heutige Wirklichkeit so geprägt wie Jesus. Und keiner wird es in Zukunft je wieder so tun können.

T.E.
(aus: Gemeindebrief der Kath. Kirchengemeinde St. Bonifatius, Hamburg / Eimsbüttel)
 
Ohne Symbolik nicht so erfolgreich
Die »Truman-Show« in der Kirche – Publikum und Veranstalter zufrieden

Lichtenstein-Unterhausen. (GEA - 05.02.2002)

Popcorn-Tüten-Rascheln, Chips-Knispeln und Salzstangen-Knabbergeräusche. Mehr war zeitweise in der mit atemloser Spannung geladenen Atmosphäre in der evangelisch-methodistischen Kirche in Unterhausen nicht zu hören: Es war Spielfilmzeit am Freitagabend. »Holy-Wood« heißt die Veranstaltungsreihe, die jetzt in Unterhausen etwa alle zwei Monate über die Bühne gehen soll. Als unfreiwilliger Hauptdarsteller einer Show, in der jemand anders die Regie über sein Leben führt, albert sich Jim Carrey durch den Film „Die Truman-Show, bei dem einem immer wieder das Lachen im Halse stecken bleibt. Genauso wie das Publikum im Film bangt man mit dem Star, ob er es wohl schaffen wird, am Ende sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Völlig ohne erhobenen Zeigefinger, dafür aber voll gespickt mit Symbolen aus der christlichen Mythologie zieht Truman der „true man, also der wahre Mensch, die Zuschauer in seinen Bann, die schon seine Geburt live im Fernsehen miterlebten und nun sogar fast bei seinem Tod mit dabei gewesen wären...Eine spannende Mischung sollte der Abend werden, zum Zusehen, Zuhören und miteinander ins Gespräch kommen, hofften die Organisatoren, die dieses Spektakel hier ausgeheckt haben. Martin Burger, Jugendreferent des evangelischen Jugendwerks CVJM hat Ähnliches schon öfters organisiert. Im November war Pfarrerin Gerda Eschmann von der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Unterhausen unter den Gästen bei der Filmnacht, die er im November in Reutlingen auf die Beine gestellt hatte und war restlos begeistert.  »Es läuft hier ohnehin viel zu wenig für junge Leute«, erklärte die Pfarrerin, warum sie Burgers Idee auch nach Unterhausen holen wollte. »Aber natürlich haben wir auch das Anliegen, die Jugendlichen mit unserem Angebot zum Nachdenken zu bringen.« Doch bei aller Ernsthaftigkeit dürfe der Spaß auf keinen Fall auf der Strecke bleiben, findet sie. Weil die Kirche mit im Spiel ist, läuft so ein Filmabend hier etwas anders ab als im Kino. Zwei Pausen gab es bei der »Truman-Show«. Momente, in denen Burger Publikum mit gezielten Fragen zum Nachdenken brachte. Dass am Freitagabend alle bereitwillig erzählten, was in ihren Köpfen vorging, darüber hat Martin Burger sich ganz besonders gefreut. »Es ist immer eine Gratwanderung, die Leute zum Überlegen zu bringen, ohne sie dabei aus der Geschichte zu reißen, die sie gerade gefangen nimmt«, weiß er inzwischen aus Erfahrung. Den rund fünfzig Gästen der Unterhausener Gemeinde hat der Filmabend gefallen. »Es ist schöner als im Kino. Da konsumiert man nur«, hieß es nach dem Film; als die Zuschauer noch eine ganze Weile zusammenblieben und über den Film und die Welt reden konnten. Sie waren froh, dass „nicht alles gleich zu Ende war, als der Film vorbei war, erzählten sie. Welche Filme es sein werden, die als Nächstes unter dem Titel »Holy Wood« in Unterhausen gezeigt werden, darüber entscheiden Pfarrerin Eschmann und Martin Burger in den nächsten Tagen. »Geeignet sind unendlich viele Filme«, sind die Erfahrungen des Filmbegeisterten Jugendreferenten. Ob „Star Wars oder Matrix  - mit Mythologie bepackt, die zum Nachdenken anregt, sind sie alle, findet Martin Burger: „Ohne die wird ein Film überhaupt nicht so erfolgreich, hat er festgestellt.

Regina Störk


Satire: Die totale TV-Idiotie

Ihr seid jung, habt alle Möglichkeiten dieser Welt und was macht ihr? Den ganzen Tag nur mit Arabella, Andreas Türck, VIVA und den Simpsons verbringen!
Ihr steht morgens auf, geht zur Schule, kommt nach Hause - und in eurer Hand befindet sich schon nach wenigen Sekunden die golden scheinende Fernbedienung. Jetzt aber schnell, um 15:00 Uhr kommt Andreas mit einem ganz neuen Thema: "Ich bin so doof und kann nicht einmal einen zusammnehängenden Satz sprechen. Andreas, bitte hilf mir!" Na klar nimmt der liebe Andreas euch an seine Brust und um 16:00 Uhr seid ihr soweit, wie bereits um 15:00 Uhr. Naja, macht ja nichts, vielleicht hilft euch ja Mola bei VIVA.
Aaah..., der Strom ist um Punkt 17:00 Uhr ausgefallen. Was macht ihr jetzt bloß mit den drei Stunden, die ihr bereits dem Fernsehen versprochen habt? Na egal, lange kann es ja nicht dauern, doch um 18:00 Uhr regt sich immer noch nichts. Es beginnt die Schlechte-Laune-Phase (wohl bemerkt: nur wegen des Fernsehers!) und in den Fingern fängt es auch schon an zu kribbeln, denn wenn sich nichts an der Situation ändert, muß man wohlmöglich ein verstaubtes Buch aus dem Schrank kramen. Jede Ablenkung kommt jetzt genau richtig - bloß keine Hausaufgaben machen. Doch was ist jetzt los? Das Buch unterhält ja gar nicht! Wo bleibt denn das Entertainment?? Keine aktuelle Mode, kein schönes Gesicht und kein aufgesetztes Lachen?? Nur stumme Buchstaben, die einen ja sogra noch müde machen!!
Nein, nein! Ich bin doch nicht von meinem Fernseher abhängig! Es gibt bloß zur Zeit nichts besseres zu tun, als auf den Strom zu warten. (Außerdem will man die versäumte Zeit ja wieder gut machen, auch wenn es bis 3:00 Uhr morgens dauert! Macht ja nichts, es gibt doch ziemlich große Tische in unserer Schule, ein kleiner Schal oder eine Jacke - und die perfekte Liege ist fertig!)
In 30 Jahren bei Andreas Türck Junior: "Andreas, hilf mir, ich habe meine Jugend an deinen Vater verschwendet!"

M.J.
(aus: DÜRER! - Schülerzeitung der Albrecht-Dürer-Oberschule Berlin / Neukölln, April 2000)

 
 

Satire: Die Ermäßigung sei mit Dir!

Alles wird teurer! Ja, alles! Ich weiß schon gar nicht mehr, wie ich meine nächsten Rechnungen bezahlen soll... Und die Aussicht auf sinkende Renten und höheren Abgaben läßt mich fast zum Strick oder Schnürsenkel greifen!
Doch heute, heute hab ich die Lösung meiner Probleme gefunden: Sie war schon die ganze Zeit da... und ich, ich hab sie entdeckt! Als Erster!!
Nicht länger das Sammeln von Pfandgläsern, Lottoscheinen und Überraschungseier sichert den Wohlstand, nein, es ist der pure KONSUM! Ja, Konsum!
Man kann mit Hilfe unserer Überflußgesellschaft ja so viiiel Geld sparen. Nach meiner Rechnung werde ich bald unheimlich reich sein - bei dem Geld, was ich sparen und dadurch zur Seite legen kann. Waaahnsinn!
Ab jetzt gehören MIR die Buchseiten reicher Comic-Enten, ich werde berühmter sein als der King und seine matschigen Hamburger! REICH!  REICH! Endlich REICH!
Und Ihnen, ja, nur Ihnen verrate ich meine geheime Idee! Sie ist so einfach und doch so genial - Sie werden sich wundern, daß SIE NICHT darauf gekommen sind, aber dafür haben SIE ja schließlich MICH... was ist schon ein Rat unter guten Freunden?
Die Lösung aller finanziellen Probleme heißt schlicht und ergreifend: KAUFEN! Ja, kaufen!
Wie ich darauf gekommen bin? Nun, ganz einfach... unsere Überflußgesellschaft hat die besten Voraussetzungen für dieses Art der Gewinnbereicherung geschaffen! Wir müssen uns beeilen, bevor SIE ES merkt... oder andere, außer SIE und MIR!
Ist Ihnen denn nicht aufgefallen, daß man, wo  man geht und steht, SPAREN kann? Ja, sparen!
Zum Beispiel bei einer internationalen Fast-Food-Kette, die mit den zwei goldenen Bögen...
Da können Sie jetzt für knapp ¼ des Originalpreises mehr fast doppelt so viel verdrücken!!
Was, sie haben gar keinen Hunger? Ihnen schmeckt dieses Essen nicht? Völlig egal, Hauptsache: Sie sparen. Von dem gesparten Geld können Sie nach knapp 350 Bulettenmenüs bereits in das Heimatland des Fleischklopses fliegen! Na, wär das was? Wie, Bauchschmerzen und Fettleibigkeit?
Zugreifen, Menschenskind! Ist doch egal, ob Sie alles aufessen, wegschmeißen oder ihrem Nachbarn vor die Tür spucken! Ohne einen minimalen Einsatz funktioniert auch dieses System nicht! Aber denken Sie mal an die AUSBEUTE, na?
Noch ein Vorschlag: Verteilen Sie Ihre Telefonate (vor allem die Ihrer Tochter) über die gesamten 24 Stunden eines Tages! Morgens zwischen 2 und 5 Uhr ist es am billigsten! Checken Sie den Telefon-CHARAKTER ihrer Familie und suchen Sie sich den günstigsten Tarif heraus!
Wie bitte, schlaflose Nächte? Der Arzt ist am Wochenende und nachts nicht erreichbar? Ihr Sohn wird auf seiner Klassenfahrt in den Sudan entführt - und die Geiselnehmer verlangen von Ihnen während der Hauptzeit die telefonische Übergabe des Lösegeldes?
Tja, jede Investition fordert ihre Opfer! Telefonieren Sie soviel es geht! Sparen Sie, soviel wie möglich! Dann können Sie sich bereits nach 1.000.000.000 Gesprächsminuten eine eigene Telefongesellschaft kaufen! Und was Sie dann erst sparen - Sie sind ein Glückspilz, ja, ein GLÜCKSPILZ!
Sie wissen nicht, was Sie mit Verhütungsmittel im Familienpack anfangen sollen? Kaufen! 100 Stück? Bestens! Kann Mann immer gebrauchen! Notfalls als Luftballonersatz auf Kindergeburtstagen!
Joghurtpaletten mit verfallener Haltbarkeit? Kaufen! Züchten Sie eine NEUE Pilzkultur!
Drei Reisen zur gleichen Zeit, Zweck Ersparnis? Buchen!
Einen Zweitwagen (Porsche) jetzt auf Zins kaufen, weil niedrig? Fahren!
Investieren Sie ALLES!
Nur so können Sie ÜBERALL sparen! Kaufen Sie! Sie können Konsument des Jahres sein, ja, des Jahres!
Und beeilen Sie sich, bevor jemand anderes diesen gewinnbringenden Überfluß bemerkt!
KAUFEN Sie, um zu SPAREN!
Die Ermäßigung sei mit Ihnen!

Sebastian Begaße